Skip to content

Erdbeben in Nepal!

Informationen zum Erdbeben in Kathmandu


(weitere aktuelle Informationen direkt aus unserem Kinderhaus finden Sie auch hier: http://www.facebook.com/KEFSSO)

Wir sind alle erschüttert über die Nachrichten, die uns am Wochenende über Rundfunk und Fernsehen erreicht haben.

Das wirkliche Ausmaß der Katastrophe ist zurzeit überhaupt noch nicht zu übersehen. Das, was wir aus der Hauptstadt Kathmandu hören, ist nur ein kleiner Teil der ganzen furchtbaren Wahrheit. Zu den dörflichen Regionen in Nepal fehlt noch immer jede Verbindung, vor allem zum dem Gebiet, in dem das Epizentrum des Erdbebens lag. Über Whatsapp habe ich ein paar kurze Infos vom Kinderhaus erhalten: Die Kinderhausfamilie ist unverletzt. Dafür sind wir unendlich dankbar.

Unsere Kinderhausfamilie und einige Nachbarskinder schlafen zusammen im Erdgeschoss unseres erdbebensicher gebauten Kinderhauses bis sich die Lage etwas entspannt hat. (Das Foto oben hat mich über Facebook vor zwei Tagen erreicht.) Über Radio werden die Menschen in Kathmandu ständig über neue erwartete Erderschütterungen informiert. Dann müssen alle raus – auch aus unserem erdbebensicheren Kinderhaus – und notfalls wird dann im Freien geschlafen. Viele Menschen aus unserer Nachbarschaft und Umgebung sind obdachlos geworden. Ein Newar-Dorf in unserer Nähe, aus dem auch viele Kinder unsere Schule besuchen, ist fast ganz und gar dem Erdboden gleich gemacht worden. Wie viele Tote und Verletzte es dort gegeben hat, wissen wir noch nicht. Es gibt keinen Strom, die Straßen sind unpassierbar, es mangelt an Wasser und Medikamenten. Es fehlt an allem.

Wir werden vom Kinderhaus aus Hilfe leisten so gut wir können. Wer kein Dach mehr über dem Kopf hat, kann bei uns untergebracht werden – wenn auch nur notdürftig. Auch für ärztliche Hilfe werden wir sorgen.

Diese kurzen Informationen sind nur ein kleiner Teil des furchtbaren Ganzen. Auch ich bin zurzeit immer noch auf spärliche Nachrichten über WhatsApp-Infos oder Telefonate (die ständig unterbrochen werden) angewiesen. Aber wir müssen die Hilfe anlaufen lassen – sofort.

Wer uns helfen will zu helfen, kann auf das bekannte Kinderhaus-Konto spenden unter dem Stichwort „Erdbeben“ (Sparkasse Oberhessen, IBAN DE39518500790012002246).

Danke!

Ihre Lydia Schmidt (Vorstand)

30. April 2015:

So langsam werden die Abstände zwischen den Nachbeben größer und man kann sich wieder etwas großräumiger bewegen. Im Kinderhaus laufen die ersten Hilfsmaßnahmen für die Menschen in der Umgebung an, die kein Dach mehr über dem Kopf haben. Gekocht wird aber aus Sicherheitsgründen immer noch draußen (Foto).

Es konnten auch Hilfstransporte mit Lebensmitteln und Medikamenten vom Kinderhaus organisiert werden für ein vom Erdbeben betroffenes Bergdorf (Foto).

01. Mai 2015:

Danke an alle, die sofort Geld für die Erdbebenopfer an uns überwiesen haben.

Seit heute arbeiten die Banken wieder in Nepal.  Wir haben sofort 20.000,- Euro als erste Nothilfe zur Verfügung gestellt und werden weiteres Geld überweisen. Es haben sich Selbsthilfegruppen und  Bürgerinitiativen gebildet, die unabhängig von den staatlich organisierten Hilfen tätig sind und sehr effektiv arbeiten. Mit einigen von ihnen kooperieren wir.  Yugal und Manisha sind mit unserem Jeep ständig in Zusammenarbeit mit diesen privaten Initiativen unterwegs, um Lebensmittel und Medikamente zu den vom Erdbeben betroffenen Menschen zu bringen, vor allem in den Bergregionen.

03. Mai. 2015:

Wir helfen weiter. Unser Jeep ist jeden Tag unterwegs und bringt Hilfslieferungen in Bergdörfer.

Einen Teil der Hilfsgüter können wir an zentralen Verteilerstellen abholen. Es wird genau aufgelistet, was wir bekommen haben und  wir müssen angeben, wohin diese Lieferungen gehen.


Große Hilfslieferungen wie Reis, Hülsenfrüchte, Trockenmilch etc., die im Kinderhaus ankommen, werden bei uns abgewogen und so verpackt, dass man sie sofort an die Betroffenen vor Ort verteilen kann, ohne dass es in den Dörfern Probleme mit der Verteilung gibt.

04. Mai 2015:

In Sangachowk und Bhote Namlaang (Distrikt Sindhupalchowk) konnten wir wieder Lebensmittelrationen verteilen. Die Menschen sind auf diese Hilfe angewiesen. Es gibt kaum mehr etwas zu kaufen in den Geschäften. Bis sich die Einfuhren aus Indien und China über den Landweg normalisiert haben, wird es einige Zeit dauern. Die Hilfslieferungen müssen sehr gut vorbereitet werden und bedürfen unbedingt der Unterstützung der örtlichen Behörden und der Polizei. Dort, wo die Kooperation gut ist, funktionieren auch unsere Hilfstransporte und das Verteilen der Hilfsgüter an die Bevölkerung. Ohne den Schutz der Polizei und eine straffe Organisation vor Ort ist es sehr gefährlich, mit einem voll mit Lebensmittel beladenen Jeep in ein Dorf zu fahren. Die Menschen geraten schnell außer Kontrolle, es kommt zu Handgreiflichkeiten und nicht selten zu Verletzungen, weil jeder an so viel Hilfsgut wie möglich herankommen will.

07.05.2015

Die Hilfstransporte werden immer gefährlicher. Trotzdem können wir auch in relativ entfernte Dörfer Lebensmittel und Zeltplanen bringen, wenn die örtlichen Behörden und die Polizei mit uns zusammenarbeiten. Vor zwei Tagen waren Mansisha und Laxmi in Nawalpur. Das Dorf ist fast völlig zerstört und die Menschen haben gar nichts mehr. Hilfe von der Regierung kommt nicht, was angesichts der Tatsache unverständlich ist, dass noch immer auf dem Flughafen in Kathmandu große Mengen von Hilfsgütern internationaler Organisationen lagern, die von der Regierung bisher nicht freigegeben wurden.

11.05.2015:

Die Seuchengefahr nimmt ständig zu. Die hygienischen Verhältnisse in Nepal waren nie besonders gut, aber nun werden sie von Tag zu Tag noch schlechter. Überall riecht es nach Abfall und Verfaultem. Und der Monsun steht bevor. Ab Mitte Mai kommt der große Regen. Da wird es nicht besser werden. Auch diejenigen, die helfen und engagiert sind, haben Angst um ihre Gesundheit. Notdürftig schützen sie sich mit Atemschutzmasken.

Wenn es möglich ist, dann kaufen wir große Mengen Reis, Getreide, Trockengemüse, Kräcker und eben das, was wir ergattern und als Vorrat lagern können. Inzwischen gibt es wieder mehr oder weniger reguläre Lieferungen aus Indien und China. Allerdings muss man höllisch aufpassen, dass man nicht die fehlgeleiteten Hilfsgüter aus aller Welt kauft, die inzwischen überall auf dem schwarzen Markt auftauchen. Es ist furchtbar, dass auch mit der größten Not von Menschen nur Geschäfte gemacht werden. Wir kaufen diese Schwarzmarktwaren nicht! Alle Lebensmittel, die wir nicht sofort weiterleiten können, lagern wir im Kinderhaus oder portionieren sie in kleine Pakete, um sie später reibungslos an Bedürftige verteilen zu können.

12.05.2015:

Heute Mittag erreichte uns die furchtbare Nachricht, dass es wieder zu zwei mächtigen Erdstößen der Stärke 7,4 gekommen ist. Im Kinderhaus ging es zum Glück glimpflich ab. Alle sind sofort ins Freie gerannt und unsere behinderten Kinder wurden schnell ins Freie getragen. Inzwischen haben ja alle Erfahrung mit Erdstößen und wissen genau, was zu tun ist.

In Kathmandu wird es weniger gut abgegangen sein. Manisha war zum Zeitpunkt des Bebens in Thamel und schrieb kurz über e-mail:

„I was in Thamel and it was a nightmare. I couldn`t run because the land was shaking sideways too much and it was like walking sideways. Seven people died already. It´s the same condi

tion again. Many people didn´t run because they thought it was just aftershock. Most of the offices were open. So many people were inside the buildings and not like last Saturday.”

Niemand weiß, ob sich die Erde nun beruhigen wird oder ob die Beben weitergehen. Wieder schlafen zur Sicherheit alle Kinderhauskinder zusammen in einem Raum auf dem Boden.

15.05.2015:

Unsere Hilfslieferungen gehen weiter, auch wenn sie uns zuweilen nur wie ein Tropfen auf dem heißen Stein vorkommen. Im Gorkha-Gebiet lag das Epizentrum des ersten Erdbebens. Entsprechend schlimm hat es dort vor zwei Wochen schon viele Dörfer getroffen. So wie auf dem Foto sieht es vielerorts aus.

Unzählige Menschen sind obdachlos. Andere wagen die bröckelnden Reste ihrer Häuser aus Angst vor völligem Einsturz nicht mehr zu betreten.

Die Hilfe mit Lebensmitteln ist nur ein Teil der zum Überleben notwendigen Unterstützung.

Die Menschen brauchen vor allem ein Dach über dem Kopf, wenn auch zunächst nur ein provisorisches. Wir haben darum 800 große Zeltplanen in Indien bestellt, die umgehend geliefert wurden. Diese Zeltplanen werden jetzt zusammen mit den Lebensmitteln in die Dörfer gebracht. Einige große Straßen sind zum Glück noch befahrbar.

24.05.2015:

Auch wenn man in den Medien von Nepal nichts mehr hört, so bedeutet das keineswegs, dass sich die Lage beruhigt hat. Die Erde bebt dort noch immer. Vor wenigen Tagen lag das Epizentrum eines Nachbebens direkt in Kathmandu. Die Stärke betrug zwar „nur 4.5“ aber gefühlt war es heftiger. Immer wieder stürzen Häuser ein, die durch die andauernden Erderschütterungen eh schon marode sind.

Die Menschen leiden unvorstellbar. Die andauernde Unsicherheit zerrt an den Nerven. Hilfstransporte werden immer schwieriger, weil die Straßen durch Erdrutsche unvorhersehbar zugeschüttet sind. Und die Regierung tut nichts, sie blockiert im Gegenteil durch aus dem Hut gezauberte „Notstandsverordnungen“ privat organisierte Hilfeleistungen.

28.05.2015:

Manisha schrieb in den letzten Tagen:

„Langsam versuchen wir, einigermaßen zum normalen Leben zurückzukehren. Aber die Nachbeben hören nicht auf. Kürzlich war das Epizentrum direkt in Kathmandu. Die Stöße waren nicht so stark wie bei den Beben vom 25. April und 12. Mai aber wir  fühlten eine größere Gefahr. Das Beben war direkt unter unseren Füßen. Die Gefühle der Menschen hier spielen langsam verrückt. Auch ich denke manchmal, ich bin froh und traurig zur gleichen Zeit. Froh, weil uns im Kinderhaus nichts passiert ist und traurig und frustriert, weil so viele Menschen durch die Katastrophe entsetzlich leiden. Und die Regierung lässt alle im Stich. Sie blockiert und behindert sogar unser Engagement zu helfen. Dabei ist es schon schwierig genug, die Bergdörfer mit Hilfsgütern zu erreichen, weil viele Straßen versperrt sind mit Schutt und Geröll.


Alle Menschen haben hier Angst, dass es noch einmal ein sehr starkes Nachbeben gibt. Das vermutet man. Ich weiß nicht, ob es nur Gerüchte sind, ich hoffe. In ein paar Tagen sollen die Schulen wieder geöffnet werden. Aber viele Schulen sind nicht sicher. Keiner weiß, wie das funktionieren soll.
Unsere BMCA können wir benutzen, aber nicht alle Räume. Viele unserer Studenten sind aufs Land zu Verwandten geflüchtet. Darum werden die sicheren  Gebäudeteile erst einmal ausreichen. Wie es hier weitergehen soll, weiß niemand im Augenblick.“

31.05.2015:

Ab Sonntag haben in ganz Nepal die Schulen offiziell wieder geöffnet. Das hat die nepalische Regierung so angeordnet. Viele Schulen sind allerdings zerstört oder in einem vom Zusammensturz gefährdeten Zustand .

Wie der Schulbetrieb da auch nur einigermaßen ablaufen soll, das hat die Regierung nicht gesagt. Unsere Schulen in Budhanlikantha und Bhimkuri sind wenigstens soweit erhalten geblieben, dass wir einige Räume nutzen können, ohne die Kinder zu gefährden. Allerdings sind auch bei uns erhebliche Schäden entstanden.


Da die Erde immer noch bebt, kann man an Aufbauarbeiten zurzeit noch nicht denken.

30. Juni 2015

Die Erdbebenkatastrophe ist erst zwei Monate her und schon aus den Köpfen der meisten Menschen verschwunden. Wir sind aber nach wie vor engagiert und helfen den Opfern, wo wir können (siehe auch Extra Rundbrief Juni 2015).


Die Nepalis versuchen, so gut es geht zu einem normalen Leben zurückzufinden. In Kathmandu selbst ist das verhältnismäßig einfach, da die Gebäude in der Stadt zum überwiegenden Teil noch stehen und inzwischen auch Wasser- und Stromversorgung wieder einigermaßen funktionieren. Allerdings sind viele historische Stätten stark beschädigt.


In ländlichen Regionen wie Sindhupalchawk, Gorkha, Dadhing, Okhaldungha und auch im Kumbu Gebiet am Mount Everest ist die Lage aber nach wie vor verzweifelt.

Tausende von Menschen haben alles verloren, leben immer noch ohne ein Dach über dem Kopf und benötigen vor allem nach der Regenzeit elementare Hilfe zum Wiederaufbau ihrer Häuser. Die meisten Menschen, die von den Folgen des Erdbebens betroffen sind, haben keinerlei finanzielle Mittel, ihre Häuser selbständig wieder aufzubauen. Bergschulen in diesen Regionen sind ebenfalls zum großen Teil zerstört

Zurzeit helfen wir mit Zeltplanen und Wellblechkonstruktionen, damit der Schulbetrieb wenigstens provisorisch weiterlaufen kann.


Mehr ist während der Monsunzeit im Sommer nicht möglich Im Spätherbst, wenn die Regenzeit vorüber ist, werden wir gezielt an den Wiederaufbau von Schulen in den Erdbebengebieten gehen und auch Betroffenen beim Neubau ihrer Häuser helfen.

Bitte entnehmen Sie weitere Informationen den Rundbriefen, die zweimal im Jahr auch auf unserer Webseite erscheinen.

Wir bedanken uns herzlich bei allen, die bisher durch Spenden die Sofort-Hilfe unseres Vereines in Nepal möglich gemacht haben.


Die Seuchengefahr nimmt ständig zu. Die hygienischen Verhältnisse in Nepal waren nie besonders gut aber nun werden sie von Tag zu Tag noch schlechter. Überall riecht es nach Abfall und Verfaultem. Und der Monsun steht bevor. Ab Mitte Mai kommt der große Regen. Da wird es nicht besser werden. Auch diejenigen, die helfen und engagiert sind, haben Angst um ihre Gesundheit. Notdürftig schützen sie sich mit Atemschutzmasken (Foto 1 und 2).

Wenn es möglich ist, dann kaufen wir große Mengen Reis, Getreide, Trockengemüse, Kräcker und eben das, was wir ergattern und als Vorrat lagern können. Inzwischen gibt es wieder mehr oder weniger reguläre Lieferungen aus Indien und China. Allerdings muss man höllisch aufpassen, dass man nicht die fehlgeleiteten Hilfsgüter aus aller Welt kauft, die inzwischen überall auf dem schwarzen Markt auftauchen. Es ist furchtbar, dass auch mit der größten Not von Menschen nur Geschäfte gemacht werden. Wir kaufen diese Schwarzmarktwaren nicht! Alle Lebensmittel, die wir nicht sofort weiterleiten können, lagern wir im Kinderhaus oder portionieren sie in kleine Pakete, um sie später reibungslos an Bedürftige verteilen zu können. (Foto 3 und 4)